Ohne Musik keine Capoeira. Sie gibt den Rhythmus vor, bestimmt Tempo, Dynamik und Charakter des Spiels und verbindet Bewegung, Geschichte und Gemeinschaft. Gesang, Klatschen und Instrumente sind dabei weit mehr als Begleitung: Sie steuern das Geschehen in der Roda, erzählen Geschichten von Widerstand, Alltag und Identität und schaffen eine gemeinsame Energie, die afrobrasilianische Kampfkunst Capoeira weltweit einzigartig macht. Genau diese musikalische Dimension stand am vergangenen Wochenende im Mittelpunkt des Musikfestivals „Ritmos da Capoeira“ in Luxemburg. Mit dabei war auch der Verein Capoeira Karlsruhe e. V., der mit starken Beiträgen und mehreren Platzierungen überzeugte.
Unter der Leitung von Edson dos Anjos Santana (Professor Jenipapo) und Leticia do Nascimento (Professora Pernas) kamen Capoeiristas aus verschiedenen Ländern, unter anderem aus Belgien, Luxemburg, Deutschland und Brasilien zusammen. Geleitet wurde das energiegeladene Event von Luiz Augusto de Carvalho Filho (Mestrando Perninha), der es schaffte, mit seiner mitreißenden Begeisterung, gepaart mit großem Fachwissen, musikbegeisterte Capoeiristas aus verschiedenen Ländern zusammen zu bringen. Er vermittelte zahlreiche Rhythmen der Capoeira Abadá und schuf mit kreativen Übungen und kleinen Spielen eine offene, herzliche Atmosphäre, in der Lernen, Austausch und Gemeinschaft im Vordergrund standen. Als Spezialgäste bereicherten Antônio Marcelo Trindade (Mestre Cobra), Rogério de Jesus Florentino (Mestrando Esquilão) und Anderson da Sila Ferreira (Mestrando Papagaio) das Festival.

Strahlende Gesichter: Carolin Paschmann (Capoeirista Simpatia, links) erreichte in ihrer Kategorie den dritten Platz. Irina Souza Otte (Instrutora Pepita de Ouro, rechts) in ihrer den vierten.
In der Kategorie „Composição“ traten Irina Souza Otto (Instrutora Pepita de Ouro) und Andrea Loucopoulos (Capoeirista Gaia) für Capoeira Karlsruhe an. Hier ging es darum, eigene Capoeira-Lieder zu schreiben – sowohl den Text in portugiesischer Sprache als auch die Melodie. Bewertet wurden unter anderem Kreativität, Bezug zur Capoeira-Tradition, Verständlichkeit der Botschaft sowie die musikalische Umsetzung. Für Gaia war es die erste Wettbewerbsteilnahme überhaupt. Pepita de Ouro erreichte einen hervorragenden vierten Platz.
In der Kategorie „Interpretação“ nahm Carolin Paschmann (Capoeirista Simpatia) teil und erreichte den dritten Platz. Bei der Interpretation ging es um die ausdrucksstarke Darbietung bereits bestehender traditioneller Capoeira-Gesänge. Stimme, Rhythmusgefühl, Präsenz und die Fähigkeit, das Publikum mitzunehmen, standen hier im Vordergrund.
Gemeinsam mit mehreren Schülern und Schülerinnen und ihrem Trainer Naoufel Hafsa (Instrutor Naô) aus Würzburg nahm das Karlsruher Team außerdem an der Kategorie „Bateranga“ teil – einem musikalischen Zusammenspiel, bei dem Gesang und die Musikinstrumente Berimbau (einsaitiger Musikbogen afrikanischen Ursprungs, bestehend aus einem Holzstab, einer Stahlsaite und einem daran befestigten Resonanzkörper), Atabaque (Röhrentrommel), Pandeiros (Schellentambourine) sowie verschiedene Perkussionsinstrumente in einer Gruppe harmonisch ineinandergreifen müssen. Mit viel Energie, Präzision und spürbarer Freude an der Musik erreichte die Gruppe den zweiten Platz.
Das „Ritmos da Capoeira“ in Luxemburg zeigte eindrucksvoll, dass Capoeira weit mehr ist als Akrobatik oder Kampf. Sie ist Musik, Dialog und kulturelle Begegnung. Capoeira Karlsruhe e. V. gratuliert allen Teilnehmenden herzlich zu ihren Erfolgen und bedankt sich bei den Organisatorinnen und Organisatoren für ein inspirierendes Wochenende voller Musik, Energie und Gemeinschaft.
