Mit der Ginga durch die Corona-Krise

Soziale Isolation und Bewegungsmangel – wir alle waren oder sind ganz persönlich betroffen von der weltweiten Covid-19-Pandemie. Auch Anbieter von Sportangeboten hat die Pandemie vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Corona-Pause oder weitertrainieren? Der Karlsruher Verein Capoeira Karlsruhe e.V. entschied sich fürs Weitertrainieren und entwickelte bereits in den ersten Shutdown-Tagen ein vielfältiges Online-Konzept. Abwechselnd hatten die Vereinsmitglieder Gelegenheit, sich beim Training auszupowern, in Interviews mit erfahrenen Capoeristas viel Hintergrundwissen anzueignen, gemeinsam zu musizieren und an in Brasilien abgehaltenen Benefizveranstaltungen virtuell und interaktiv teilzunehmen. 

Möglich gemacht wurde dies mit den inzwischen gängigen Videoschaltungen. Zwar ist man zu Hause isoliert, rückt aber näher mit Freund/innen und Bekannten auf der ganzen Welt zusammen. So organisierte der Karlsruher Verein diverse virtuelle Treffen mit Teilnehmenden aus Deutschland, Frankreich und Brasilien. Es wurde gemeinsam trainiert, geredet und gelacht. Auch wenn die ersten Trainings in den Karlsruher Hallen wieder vorsichtig unter Beachtung der Corona-Auflagen beginnen, sollen zusätzlich weiterhin virtuelle Trainings angeboten werden. Großen Anklang fanden die beiden Benefizveranstaltungen aus Brasilien, zu denen jeweils um die 70 Teilnehmenden aus Brasilien, Deutschland und weiteren Ländern zugeschaltet waren. Abgehalten wurden die Trainings von den Capoeira-Professoren Algodão und Takinha, beide studierte Sportwissenschaftler, die sich im Heimatland des Kampfsportes sozial engagieren.

„Ich freue mich unheimlich, dass unsere Karlsruher und Schwetzinger Capoeiragruppen einen derartig großen Zusammenhalt bewiesen haben und wir unglaublich viel positives Feedback der Mitglieder auf unsere Angebote erhalten haben“, so der studierte Sportwissenschaftler und Vereinsvorsitzende Luiz Carlos dos Santos Gomes Sobrinho, der auch in Zukunft virtuelle transnationale Veranstaltungen als festen Programmbestandteil beibehalten möchte.

Brasilien gehört mittlerweile zu einem der am schwersten betroffenen Länder der Covid-19-Pandemie. Ohnehin unterfinanzierte soziale Projekte können kaum noch durchgeführt werden. Mit den beiden Benefizveranstaltungen gelang es insgesamt 750 Euro zu sammeln, was in etwa 4500 R$ brasilianische Reais entspricht. Verwendet wird das Spendengeld zur Aufrechterhaltung des Sozial- und Kulturzentrums des Partnervereins in Campos dos Goytacazes bei Rio, für notwendige Renovierungsarbeiten und den Ausbau sanitärer Anlagen. Der Partnerverein betreut Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen und unterhält ein Austauschprogramm mit dem Karlsruher Verein. Durch eine weitere Spendenaktion von Eltern der Karlsruher Capoeira-Kinder kann die Karlsruher Arbeitsgruppe Recife e.V. ihre brasilianische Partnerorganisation „Grupo Ruas e Praças“ unterstützen, die Straßenkinder in Recife betreut. Die „Grupo Ruas e Praças“ hatte selbst zwei gravierende Corona-Fälle bei der Belegschaft und ungezählte bei den betreuten Kindern und Familien. Die Wohltätigkeitsorganisation klärt die arme Bevölkerung in den Favelas über geeignete Hygienemaßnahmen auf und gibt Lebensmittelspenden in Form von sog. „Grundernährungskörben“ aus.

Weitere Informationen zum Verein Capoeira Karlsruhe e. V. gibt es unter www.capoeira-karlsruhe.de. Wenn Sie sich über die AG Recife e. V. informieren möchten, können Sie dies unter http://www.ag-recife.de/cms/.

 

Text: Dr. Andrea Nestl

Foto oben: Die Arbeitsgemeinschaft Recife e. V. kann mit der Spendenaktion der Karlsruher Capoeira-Familien ihre Partnerorganisation „Grupo Ruas e Praças“ unterstützen, die in der brasilianischen Stadt Recife Straßenkinder betreut. (Foto: AG Recife e. V.)

Foto unten: Die Renovierungsarbeiten beim Partnerverein von Capoeira-Karlsruhe in Campos dos Goytacazes in Brasilien sind im vollen Gange. Mit den Spenden der virtuellen Benefiz-Veranstaltungen können notwendige Sanitäranlagen gebaut werden. (Foto: Abadá-Capoeira Campos)

Erschienen am 31.07.2020 bei Wochenblattreporter

Erschienen am 31.07.2020 bei Metropolnews